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Der Vereins-Name Internationaler Zivildienst

by Bertram Schröter (Sep 26, 2003)

Wenn in der “amitiés” bei jeder Erwähnung der Begriffe Zivildienst oder Internationaler Zivildienst hinzugefügt wird, daß dies der f r ü h e r e Name des deutschen SCI-Zweiges sei, so wird damit die Geschichte des Vereins-Namens angesprochen. Wie sind die Namen ‘Internationaler Zivildienst’, abgekürzt IZD, und ‘Service Civil International’ (SCI) entstanden und was war oder ist ihre Bedeutung?

Dazu die folgenden kurzen Erläuterungen : In der Zeit nach 1918 ─ und erneut nach 1945 ─ war sich jedermann in Mitteleuropa “bewußt”, was die Folgen sind, wenn man dem Militär freien Lauf läßt. In dem Ziel, etwas für die Erhaltung des wiedergewonnenen Friedens zu tun, war man sich 1920 in Bilthoven in den Niederlanden auf einer Quäker-Tagung, auf welcher der ‘Internationale Versöhnungsbund’ gegründet wurde, natürlich schnell einig. Doch irgendwann stellte Walter Koch aus Lüdenscheid fest, der Worte seien genug gewechselt worden, es müßten nun Taten folgen. Dieses “Nicht Worte, sondern Taten”, wurde zum Motto eines ersten freiwilligen Arbeitseinsatzes auf dem Schlachtfeld von Verdun, in dem eine internationale Gruppe beim Wiederaufbau des kriegszerstörten Dorfes Esnes half.

Aus dem Motto und diesem ersten Dienst entwickelte einer der Teilnehmer, der Schweizer Pierre Ceresole, jene Organisation, die wir heute SCI nennen. Dabei handelte es sich lange um einen losen Kreis von Friedensfreunden, der erst Anfang der 30er-Jahre feste organisatorische Formen erhielt. Bis dahin war Pierre Ceresole die Schlüsselfigur, welche nicht nur in der Schweiz, in Frankreich, in England “Freiwillige Internationale Hilfsdienste” organisierte, sondern auch den geistigen und organisatorischen Rahmen dazu schuf. Er nannte die Organisation bewußt “Zivildienst”, um damit den Gegensatz zum Militärdienst zu betonen. Denn einer der Schlüsselsätze lautete : “Endziel ist der Ersatz des Militärdienstes durch den Zivildienst” (Nachzulesen in den ältesten erhaltenen Statuten der ‘Internationalen Zivildienst-Vereinigung’, die wohl aus dem Jahr 1931 stammt. In der bis 1962 gültigen Fassung des deutschen SCI-Zweiges hieß es etwas abgemildert “… durch einen zivilen Dienst”). In einem Bericht über die “Gründung einer deutschen Zweigstelle” am 16.11.1932 in Berlin wird als deren Name ebenfalls ‘Internationale Zivildienstvereinigung’ angegeben.

Als nach dem zweiten Weltkrieg der deutsche Zweig am 27.10.1946 in Hannover neu (wieder-) gegründet wurde, geschah dies mit wesentlicher Unterstützung des britischen Zweiges, der sich damals ‘International Voluntary Service for Peace’ (IVSP) nannte. Der britische Einfluß führte auch zu einer analogen Wahl des Namens für den deutschen Zweig : ‘Internationaler Freiwilliger Dienst für den Frieden’ (IFDF). Ein Jahr später, auf der Jahresversammlung am 19.10.1947, wurde der Name dann entsprechend dem internationalen Gebrauch in ‘Internationaler Zivildienst’ (IZD) geändert. Den gleichen Namen trugen auch der etwas später gegründete Österreichische Zweig und die selbständige (weil damals von Deutschland abgetrennte) Gruppe Saar sowie in ähnlicher Form die Urzelle des SCI, die ‘Schweizerische Vereinigung für Internationalen Zivildienst’

Als gegen Ende der 60er-Jahre in der Studentengeneration eine große Unzufriedenheit herrschte und die sogenannte APO, die ‘Außerparlamentarische Opposition’, die Politik und damit die Welt ändern wollte, gab es auch im Vorstand des deutschen Zweiges einen Wechsel. Die jüngere Generation, die bereits in den Diensten und nun auch im Vorstand die Mehrheit stellte, wollte auch den SCI verändern. Um dies auch äußerlich kundzutun, wurde wohl auch der Vereinsname verändert. Nach dem Umzug der Geschäftsstelle im April 1968 von Stuttgart nach Bonn nannten sich Vorstand und Geschäftsführer eigenmächtig ‘Service Civil International – Deutscher Zweig’, obwohl dies erst sechs Jahre später von der Mitgliederversammlung am 13.10.1974 offiziell so beschlossen wurde. Nicht verschwiegen werden sollte allerdings, daß der Begriff Zivildienst seitens der Bundesregierung mit der Wiedereinführung der Wehrpflicht für den Ersatzdienst der Wehrdienstverweigerer benutzt wurde, was wegen möglicher Verwechslungen das Mißfallen des IZD erregte. Da ein erwogener Rechtsstreit gegen die Regierung wenig Erfolg versprach und die Internationalisierung im allgemeinen Sprachgebrauch inzwischen weit fortgeschritten war, bot sich die Übernahme des für die internationale Organisation gebräuchlichen Namens SCI für den deutschen Zweig natürlich an.

In den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg gehörte die geistige Auseinandersetzung mit dem Inhalt und Ziel des Begriffes “Zivildienst” zu den Standardthemen der abendlichen Lager-Diskussionen. Nicht nur aus Pietät die Frage : Wie steht es heute darum ?